Wenn das Geld knapper wird, zeigt sich, was wirklich Strategie ist.

Was ein Sponsorenabend bei Arminia Bielefeld über Infrastruktur, wirtschaftlichen Druck und die Bereitschaft zur Veränderung erzählt – und warum uns einige Gedanken daraus auch bei Hirschmeier Media beschäftigen.

Am 25. August waren wir beim Sponsorenauftakt von Arminia Bielefeld. Zum ersten Mal fand der Abend im neuen Krombacher Biergarten auf dem Julius-Hesse-Platz hinter der Westtribüne statt.

Natürlich ging es um Fußball. Um den Kader, das Transferfenster, den Trainerwechsel und die sportlichen Erwartungen.

Doch je länger der Abend dauerte, desto deutlicher wurde für uns: Viele Fragen, die einen Profifußballverein beschäftigen, sind erstaunlich nah an denen, mit denen sich Unternehmen gerade auseinandersetzen müssen.

Denn wenn die Spielräume kleiner werden, reicht Hoffnung allein nicht aus.

Fehler werden teuer

Das frühe Aus im DFB-Pokal ist dafür ein schmerzhaftes Beispiel.

Für uns Fans ist es zunächst eine sportliche Enttäuschung. Ein Traum, der früher endet als erhofft. Im Profifußball hat ein solcher Rückschlag aber immer auch eine wirtschaftliche Dimension. Weitere Pokalrunden bedeuten zusätzliche Einnahmen. Fallen sie weg, lässt sich diese Lücke nicht einfach an anderer Stelle schließen.

Im Unternehmertum kennen wir diesen Mechanismus ebenfalls.

Fehlentscheidungen kosten. Verlorene Aufträge kosten. Investitionen, die ihre Wirkung nicht entfalten, kosten. In einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld werden solche Fehler schneller sichtbar und die Möglichkeiten, sie aufzufangen, kleiner.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob Rückschläge passieren.

Sondern wie ein System damit umgehen kann.

 

Steine statt Beine?

Vor diesem Hintergrund wirkt eine Investition wie der neue Krombacher Biergarten zunächst fast widersprüchlich.

Warum investiert ein Fußballverein in Infrastruktur, wenn sportlich jeder zusätzliche Euro gebraucht werden könnte?

Genau diese Frage macht das Projekt interessant.

Arminia trägt wirtschaftliche Rahmenbedingungen mit sich, die sich kurzfristig kaum verändern lassen. Die beiden Jahre in der 3. Liga wirken bei der Positionierung innerhalb der TV-Geld-Verteilung nach. Andere Vereine haben sich ihren Vorsprung über Jahre erarbeitet. Das lässt sich nicht durch ein einziges gutes Transferfenster wieder einholen.

An diesem Abend fiel ein Satz, der bei uns hängen geblieben ist: Nur in den Profisport zu investieren, sei wie Roulette.

Die Alternative ist weniger spektakulär, aber langfristiger gedacht: zusätzliche Erlösquellen schaffen, Nachwuchs und Trainingsbedingungen entwickeln und die Infrastruktur verbessern. Genau diese ganzheitliche Entwicklung stellte Arminia an diesem Abend selbst in den Mittelpunkt.  

Damit bekommt auch ein Biergarten plötzlich eine andere Bedeutung.

Auf rund 800 Quadratmetern sind Sitz- und Stehbereiche, Catering, Fanladen, zusätzliche Toiletten und eine Bühne mit LED-Screens entstanden. Der Bereich ist zudem auf eine mögliche Erweiterung ausgelegt und soll perspektivisch auch außerhalb des normalen Spielbetriebs genutzt werden können.  

Kein Transfer, über den am nächsten Morgen die Sportpresse diskutiert.

Aber ein weiterer Baustein im System.

Ein Fußballverein ist ein System

Vielleicht war das die interessanteste Erkenntnis des Abends.

Wir sehen im Fußball vor allem das, was auf dem Platz passiert: Spieler, Trainer, Tore, Siege und Niederlagen.

Dahinter arbeitet jedoch ein wesentlich größeres System. Nachwuchs, Infrastruktur, Sponsoren, Mitarbeiter, Fans, Vermarktung, Daten und Kommunikation greifen ineinander.

Die sichtbarsten Akteure sind nicht automatisch die einzigen entscheidenden.

Das gilt im Fußball genauso wie in Unternehmen.

Auch dort konzentriert sich die Aufmerksamkeit häufig auf das unmittelbar Sichtbare: den großen Kunden, das neue Produkt, eine Kampagne – oder aktuell das neueste KI-Modell.

Die eigentliche Stabilität entsteht oft eine Ebene darunter.

Durch Prozesse. Wissen. Daten. Technologie. Kommunikation. Und Menschen, die diese Elemente sinnvoll miteinander verbinden.

Unser eigener „Transfer“ heißt KI

Dieser Gedanke beschäftigt uns bei Hirschmeier Media sehr konkret.

Auch wir arbeiten in einem Markt, der sich verändert. Budgets werden genauer geprüft, Entscheidungen dauern teilweise länger. Gleichzeitig verändert künstliche Intelligenz innerhalb kürzester Zeit kreative, kommunikative und technische Prozesse.

Wir könnten versuchen, das auszusitzen.

Das wäre nur keine Strategie.

Wenn wir deshalb in der Fußballsprache dieses Abends bleiben: Auf den Spieler KI setzen wir ganz bewusst.

Nicht als Superstar, der plötzlich allein das Spiel gewinnt.

Und auch nicht als Ersatz für Erfahrung, Gestaltung, Fotografie, Film oder menschliches Urteilsvermögen.

KI wird für uns dann interessant, wenn sie Teil eines funktionierenden Systems wird: wenn sie hilft, Ideen schneller zu entwickeln, visuelle Welten flexibler zu produzieren, Informationen zu strukturieren, Varianten zu skalieren und Prozesse miteinander zu verbinden.

Unser klassisches Handwerk verschwindet dadurch nicht.

Es verändert seine Möglichkeiten.

Genau darin liegt für uns die eigentliche Transformation.

Warum wir unser Engagement bei Arminia verlängert haben

In einem wirtschaftlich anspruchsvollen Umfeld muss natürlich auch ein Unternehmen wie unseres genauer überlegen, wo es investiert.

Trotzdem haben wir unser Sponsoring bei Arminia Bielefeld auch in diesem Jahr verlängert.

Natürlich spielt dabei unsere Verbundenheit mit dem Verein und mit Bielefeld eine Rolle.

Aber nicht nur.

Rund 400 Partner und Sponsoren kamen bei diesem Saisonauftakt zusammen.   Später am Abend gingen viele Gespräche längst über Fußball hinaus. Es ging um Fachkräfte, Recruiting, Investitionen, Technologie, wirtschaftlichen Druck und ganz konkrete Erfahrungen aus unterschiedlichen Unternehmen.

Solche Gespräche lassen sich schwer in eine kurzfristige KPI übersetzen.

Für uns haben sie trotzdem einen Wert.

Denn gute Netzwerke bestehen nicht daraus, möglichst viele Kontakte zu sammeln. Sie werden interessant, wenn unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven aufeinandertreffen und daraus Gedanken entstehen, die man mit in das eigene Unternehmen nimmt.

Genau das ist an diesem Abend passiert.

 

Ärmel hoch. Und weiter.

Profifußball und Unternehmertum sind nicht dasselbe.

In einem Punkt liegen sie aber erstaunlich nah beieinander: Man kann sich die Rahmenbedingungen nicht immer aussuchen.

Man kann Fehler nicht vollständig verhindern. Man gewinnt nicht jedes Spiel. Und manchmal verändert sich das Spielfeld schneller, als einem lieb ist.

Dann hilft es wenig, stehen zu bleiben.

Man muss die Ärmel hochkrempeln, die eigenen Strukturen anfassen und entscheiden, welche Investitionen nicht nur heute helfen, sondern Perspektiven für morgen schaffen.

Bei Arminia bedeutet das, sportlich Antworten zu finden und gleichzeitig den Verein strukturell und wirtschaftlich weiterzuentwickeln.

Bei uns bedeutet es, die Transformation unserer Branche nicht nur zu beobachten, sondern aktiv mitzugestalten. Mit Erfahrung und gestalterischem Handwerk auf der einen Seite – und KI als einem zunehmend wichtigen Teil unseres Systems auf der anderen.

Denn am Ende entscheidet weder im Fußball noch im Unternehmen ein einzelner Spieler über die langfristige Entwicklung.

Entscheidend ist, ob das System stark genug ist, nach einer Niederlage wieder anzutreten – und sich dabei weiterzuentwickeln.