Wir reden zu viel über Innovation.

Warum das InnovationFestival 2026 in Bielefeld zeigt, wie KI, Wissenstransfer und Pionierarbeit zusammengehören

Wir reden viel über Innovation. Über künstliche Intelligenz, Transformation, Automatisierung und darüber, wie sich Unternehmen in den kommenden Jahren verändern müssen.

Aber Innovation beginnt für uns dort, wo wir aufhören, nur darüber zu reden – und anfangen, Pionierarbeit zu leisten.

Genau dieses Gefühl haben wir vom InnovationFestival 2026 auf dem Campus Bielefeld mitgenommen. ThinkTank OWL brachte dort Menschen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Institutionen zusammen, die an ganz unterschiedlichen Stellen an erstaunlich ähnlichen Fragen arbeiten.

Und plötzlich saßen da ziemlich viele Pioniere in einem Raum.

Menschen, die nicht für jede Frage bereits die perfekte Antwort haben. Die entwickeln, testen, hinterfragen und manchmal auch wieder verwerfen. Genau das macht Pionierarbeit aus.

Wissenstransfer darf keine Einbahnstraße sein

Bereits beim Auftakt mit Prof. Dr. Michaela Vogt von der Universität Bielefeld und Prof. Dr. Natalie Bartholomäus von der Hochschule Bielefeld (HSBI) wurde ein Gedanke deutlich, der sich durch das InnovationFestival zog:

Wissenstransfer bedeutet nicht, dass Hochschulen Erkenntnisse produzieren und Unternehmen diese anschließend einfach übernehmen.

Erkenntnisse müssen in der Wirtschaft nicht nur ankommen. Sie müssen dort funktionieren und Wirkung entfalten. Gleichzeitig bringen Unternehmen ihre praktischen Erfahrungen, Herausforderungen und Fragestellungen zurück in die Wissenschaft. Transfer wurde beim Auftakt deshalb ausdrücklich nicht als Einbahnstraße beschrieben.  

Genau an dieser Schnittstelle wird es spannend.

Formate wie das InnovationFestival schaffen einen Raum, in dem Universität Bielefeld, Hochschule Bielefeld, IHK Ostwestfalen zu Bielefeld, ThinkTank OWL, Unternehmen und weitere Partner miteinander ins Gespräch kommen.

Nicht Wissenschaft auf der einen und Wirtschaft auf der anderen Seite.

Sondern gemeinsam an einem Tisch.

Ein bisschen zurück ins Studentenleben

Und dann ging es tatsächlich wieder zurück in die Hörsäle.

Das hatte durchaus seinen Charme. Ein bisschen fühlte es sich an wie früher als Student – nur dass uns heute andere Fragen beschäftigen.

Vor allem die Workshops rund um Künstliche Intelligenz, Large Language Models (LLMs), lokale KI-Systeme, RAG und Automatisierung waren für uns besonders interessant.

Denn genau an diesen Themen arbeiten wir auch selbst.

Dabei wurde schnell klar: Die entscheidende Frage für Unternehmen lautet längst nicht mehr nur, ob KI unsere Arbeit verändern wird.

Viel spannender ist:

Wie integrieren wir KI sinnvoll, sicher und wirtschaftlich in bestehende Prozesse?

Das größte KI-Modell ist nicht automatisch das richtige

Eine Erkenntnis aus den Workshops war besonders interessant: Für Unternehmen muss nicht jede Aufgabe über das größte verfügbare Sprachmodell laufen.

Neben großen geschlossenen Cloud-Modellen gibt es mittlerweile zahlreiche kleinere und spezialisierte Modelle. Je nach Anwendungsfall können diese lokal betrieben werden und dadurch Vorteile bei Datenhoheit, Geschwindigkeit und laufenden Kosten bieten.

Ein möglicher Weg ist deshalb eine hybride LLM-Architektur.

Anspruchsvolle Aufgaben können über leistungsfähige Cloud-Modelle bearbeitet werden. Standardisierte, häufig wiederkehrende oder besonders sensible Aufgaben lassen sich dagegen gegebenenfalls mit lokalen Modellen lösen.

Genau dieser Mix aus Cloud und lokaler KI wurde im Workshop als möglicher Ansatz diskutiert.

Für Unternehmen verändert das die Fragestellung.

Nicht:

„Welches ist das beste KI-Modell?“

Sondern:

„Welches Modell ist für unsere konkrete Aufgabe das richtige?“

RAG: Unternehmenswissen mit KI nutzbar machen

Ein weiteres wichtiges Thema war RAG – Retrieval-Augmented Generation.

Vereinfacht gesagt muss ein Sprachmodell dabei nicht das gesamte Wissen eines Unternehmens in einem riesigen Prompt erhalten. Stattdessen werden zunächst die für eine konkrete Anfrage relevanten Informationen aus den eigenen Daten und Dokumenten gesucht und anschließend dem LLM als Kontext bereitgestellt.

Ein typischer Aufbau besteht aus einem Embedding-Modell und einem LLM. Im Workshop wurde RAG als wichtiger Baustein einer flexiblen Hybridarchitektur diskutiert.

Das ist gerade für Unternehmen spannend, die ihr internes Wissen mit KI nutzbar machen möchten, ohne bei jeder Anfrage riesige Datenmengen verarbeiten zu müssen.

Aber auch hier gilt: Technik allein reicht nicht. Die Qualität der Daten, der Suche und der bereitgestellten Informationen entscheidet maßgeblich über die Qualität der Antwort.

Wenn aus einem Chatbot ein Agent wird

Noch spannender wird es, wenn KI nicht nur Antworten generiert, sondern Aufgaben ausführt.

Agentische Systeme können Aufgaben in einzelne Schritte zerlegen, externe Werkzeuge nutzen, Informationen recherchieren und Ergebnisse anschließend weiterverarbeiten. Damit wird aus dem klassischen Chat mit einem Sprachmodell zunehmend echte Prozessautomatisierung.

Gleichzeitig entstehen dadurch neue Sicherheitsfragen.

Im Workshop wurde insbesondere Prompt Injection als relevantes Risiko thematisiert. Sobald ein KI-Agent Zugriff auf externe Systeme oder Unternehmensprozesse erhält, müssen Rechte, Datenzugriffe und Sicherheitsmechanismen entsprechend durchdacht werden. Für agentische Systeme wurde deshalb eine sichere und zunächst isolierte Umgebung als wichtige Leitplanke genannt.

Auch das gehört für uns zur Pionierarbeit:

Nicht jede neue Möglichkeit sofort unkritisch einsetzen.

Aber sie verstehen, testen und daraus die richtigen Anwendungen entwickeln.

Warum uns diese Pionierarbeit so vertraut vorkommt

Vielleicht hat uns das InnovationFestival auch deshalb so abgeholt, weil wir viele dieser Fragen aus unserem eigenen Unternehmen kennen.

Hirschmeier Media kommt ursprünglich aus der visuellen Kommunikation.

Fotografie. Film. CGI.

Unser Beruf und unsere Branche haben sich in den vergangenen Jahren immer wieder verändert. Und wir uns mit ihnen.

Heute beschäftigen wir uns intensiv mit generativer KI, Large Language Models, KI-gestützten Workflows und Automatisierungen und entwickeln Systeme, die unsere kreativen und organisatorischen Prozesse verändern.

Nicht, weil Transformation gerade ein Trendthema ist.

Sondern weil Transformation Teil unserer eigenen Entwicklung ist.

Dabei erleben wir selbst jeden Tag, dass es für viele Fragen noch keine fertige Anleitung gibt.

Welche Aufgaben automatisieren wir?

Welche Daten dürfen ein System verlassen?

Wann benötigen wir ein großes Cloud-Modell und wann reicht ein kleineres lokales Modell?

Wo kann ein Agent tatsächlich Arbeit übernehmen?

Und an welcher Stelle muss weiterhin ein Mensch entscheiden?

Genau deshalb war der Austausch auf dem InnovationFestival für uns so wertvoll.

Wir sind mit unseren Fragen nicht allein

Manche Bausteine, über die wir bei Hirschmeier Media gerade nachdenken, werden von anderen bereits gelebt.

Bei anderen Themen haben wir wiederum Erfahrungen gesammelt, die für andere interessant sein können.

Und plötzlich merkt man:

Wir sind mit vielen unserer Fragen gar nicht allein.

Vielleicht ist genau das einer der größten Werte solcher Veranstaltungen.

Nicht die nächste Präsentation über die theoretischen Möglichkeiten künstlicher Intelligenz.

Sondern Menschen zusammenzubringen, die bereits angefangen haben, diese Möglichkeiten in die Realität zu übersetzen.

Menschen, die offen darüber sprechen, was funktioniert – und genauso darüber, was noch nicht funktioniert.

Wer gibt, gewinnt

Ein Gedanke ist deshalb besonders hängen geblieben:

Wer gibt, gewinnt.

Wissen wird nicht weniger, wenn man es teilt.

Im Gegenteil.

Wenn Wissenschaft ihre Erkenntnisse öffnet, Unternehmen ihre praktischen Erfahrungen einbringen und Menschen bereit sind, auch über ungelöste Fragen zu sprechen, entstehen neue Perspektiven.

Gerade eine wirtschaftlich starke Region wie Ostwestfalen-Lippe (OWL) braucht solche Räume.

Denn Innovation entsteht weder ausschließlich im Hörsaal noch ausschließlich im Unternehmen.

Sie entsteht häufig genau dazwischen.

Dort, wo Forschung auf unternehmerische Realität trifft. Wo aus Wissen Anwendung wird. Wo unterschiedliche Erfahrungen aufeinandertreffen. Und wo Menschen den Mut haben, etwas zu entwickeln, für das es noch keine fertige Blaupause gibt.

Wir brauchen mehr Mut zur Pionierarbeit

Deshalb bleibt für uns vom InnovationFestival 2026 in Bielefeld vor allem eine Erkenntnis:

Wir brauchen nicht noch mehr Gespräche darüber, dass Innovation wichtig ist.

Wir brauchen mehr Mut, sie tatsächlich zu gestalten.

Mehr Offenheit, Erfahrungen miteinander zu teilen.

Mehr Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Mittelstand, Kreativwirtschaft und Technologie.

Und mehr Räume wie das InnovationFestival, in denen genau diese Menschen zusammenkommen.

Denn am Ende geht es nicht darum, möglichst viel über Innovation zu reden.

Sondern darum, sie gemeinsam zu leben und zu prägen.

Und genau darauf freuen wir uns auch bei der nächsten Runde.