Retrokäfer & die Story

Vom Bielefelder Studio in Die VW-Loge. Wie ein Retrokäfer uns Mehr gelehrt hat als jedes Briefing

Manche Projekte kommen und gehen. Und dann gibt es die, bei denen man auch Jahre später noch schmunzelt, wenn man daran denkt.

Der Retrokäfer ist so eines.

Der erste Anruf

Es begann mit einer Anfrage, die zunächst ungewöhnlich klang: Ein Unternehmen hatte sich auf etwas Besonderes spezialisiert — auf handgefertigte Elektrofahrzeuge im Stil des klassischen VW Käfers. Nicht als Massenprodukt, sondern als Einzelstücke. Jedes Fahrzeug ein Unikat, mit einer Liebe zum Detail, die man heute selten findet. Klassisches Design, das atmet. Modernste Elektrotechnologie darunter. Und ein Team dahinter, das beides mit echter Leidenschaft zusammenbringt.

Die Aufgabe: Das Fahrzeug so inszenieren, wie es verdient wird — für Vertrieb, Präsentation und digitale Kommunikation.

Ich erinnere mich noch gut an das erste Gespräch. Nicht weil es ein besonders großes Budget war. Sondern weil man sofort spürte: Hier steckt eine Vision dahinter. Und Visionen wollen erzählt werden.

Bielefeld, Studio, Molton — und ein kleines Logistikproblem

Bevor wir auch nur eine Kamera aufgestellt hatten, stand die erste Herausforderung an: Das Fahrzeug musste von seinem Standort in Bielefeld in unser Studio bewegt werden.

Wer schon einmal einen Oldtimer transportiert hat, weiß, dass das kein alltäglicher Vorgang ist. Bei einem handgefertigten Elektro-Unikat ist es das erst recht nicht. Ich sage nur so viel: Es gab Momente an diesem Morgen, in denen ich sehr froh war, dass niemand filmte. 😄

Angekommen im Studio stand die nächste Herausforderung: Hochwertige Automotive-Inszenierung braucht Atmosphäre — reduziert, dunkel, dramatisch. Unser Studio in Bielefeld war das genaue Gegenteil: groß, hell, weiß. Statt nach einer anderen Location zu suchen, haben wir das Studio kurzerhand neu erfunden.

Mit großflächigem Molton, präziser Lichtsetzung und kontrollierten Reflexionen entstand eine Studioatmosphäre, die dem Fahrzeug wirklich gerecht wurde. Wenn man weiß, was dahinter steckt, ist man beim Drehen manchmal selbst überrascht, was möglich ist.

Mehr als ein Film

Was dann folgte, war für uns als Agentur eine besondere Erfahrung — weil das Projekt weit über die klassische Videoproduktion hinausging.

Um die Langlebigkeit des Fahrzeugs zu sichern — Ersatzteile für einen originalen Käfer sind heute kaum noch zu finden — digitalisierten wir das gesamte Fahrzeug als CAD-Modell. Jede Kurve, jedes Maß, jedes Detail wurde erfasst, fotografiert, gescannt und in ein vollständiges 3D-Modell überführt. Das ermöglichte dem Kunden, Teile künftig neu produzieren zu lassen — unabhängig davon, was der Ersatzteilmarkt hergibt.

Parallel entstanden Produktfotografie, CGI-Elemente und digitale Präsentationsmedien. Alles aus einem Guss, alles auf eine Aussage ausgerichtet: Dieses Fahrzeug ist mehr als Mobilität. Es ist Haltung.

Und als das Projekt schließlich seinen Höhepunkt erreichte und das Unternehmen an einen großen Automobilhersteller veräußert wurde, durften wir auch die Abschlusspräsentation gestalten. Ob unser emotionales Video dabei eine Rolle gespielt hat? Ich glaube schon. Beweisen kann ich es nicht. Aber das macht die Geschichte ja auch nicht schlechter.

DIE EIGENTLICHE HERAUSFORDERUNG IST NICHT TECHNOLOGISCH

Das Ende war jedes Mal gleich — und jedes Mal schön

Was ich bis heute nicht vergessen habe: Jede Produktion endete mit demselben Ritual.

Das Fahrzeug musste zurück an seinen Standort. Und da ich nun mal derjenige war, der es abgeholt hatte — fuhr ich es auch wieder zurück.

Ich sage es so, wie es war: Es gibt schlechtere Wege, einen Drehtag zu beenden, als mit einem handgefertigten Elektrokäfer durch Bielefeld zu fahren. Mit einem Lächeln das man nicht absichtlich aufsetzt. Sondern das einfach da ist. ⚡

Wolfsburg, ein Stadion und eine kleine Weltgeschichte

Das wäre eigentlich das Ende der Geschichte. Wäre da nicht noch ein Abend in Wolfsburg.

Ein Jahr nach Abschluss des Projekts saß ich durch andere Netzwerkkonstellationen im Stadion beim Bundesligaspiel — in der VW-Loge. Neben mir ein Entwickler aus dem Hause Volkswagen. Wir kamen ins Gespräch über Elektromobilität, über Konzepte, über Visionäres.

Irgendwann zog er sein Telefon heraus und zeigte mir ein Video.

„Schau mal — das ist eigentlich das schönste Elektroprojekt das ich je gesehen habe. Die haben sogar das ganze Fahrzeug digitalisiert. Wahnsinn was die da gemacht haben.“

Ich habe einen Moment gewartet. Und dann geschmunzelt.

„Das Video“, sagte ich, „haben wir gemacht.“

Er schaute mich an. Kurze Stille. Dann lachte er.

Die Geschichte die er erzählte, war nicht in allen Punkten ganz richtig — aber das ist bei guten Geschichten ja manchmal so. Was zählte: Das Video hatte überlebt. Es wurde weitergezeigt. Es hatte jemanden begeistert, der nichts davon wusste, dass der Macher gerade neben ihm saß.

Wie klein die Welt ist. Und wie groß ein gutes Bild sein kann.